Staatsoper Stuttgart – L’ Elisir d’ amore

L’elisir d’amore
Foto ©Martin Sigmund

Die Neuinszenierung des Elisir d’amore, Donizettis Meisterwerk, wurde in einer restlos ausverkauften Staatsoper aufgeführt. Eine Aufführung, die dank einer jungen und motivierten Besetzung, einer sympathischen Inszenierung und einem ebenfalls jungen, aber selbstbewussten und gut vorbereiteten Dirigent einen wahren Publikumserfolg erzielt hat. Michele Spotti, ein neunundzwanzigjähriger Mailänder Musiker, der in Italien bereits an wichtigen Theatern dirigiert hat und als einer der vielversprechendsten jungen Orchesterdirigenten der Gegenwart gilt, lieferte uns eine lebendige, funkelnde Interpretation, perfekt ausbalanciert zwischen komisch und pathetisch, aber auch reich an Theatralität, mit Orchesterklängen, die immer angenehm, perfekt in der Präzision sind und die Bühne nie dominierten. Sicherlich war es ein Dirigat von ausgezeichneter Gesamtqualität und eine hervorragende Leistung eines Künstlers, der sich bereits als reif und im Besitz einer klar definierten Führungspersönlichkeit erwiesen hat. Das Staatsorchester Stuttgart setzte alle vom Pult kommenden Vorgaben um und lieferte eine an Klangschönheit und Präzision in der Ausführung lobenswerte Leistung ab. Absolut tadellos war auch die Darbietung des von Manuel Pujol vorbereiteten Chors, der mit großer Effektivität die Atmosphären ländlicher Idylle schuf, die eines der Hauptmerkmale von Donizettis Partitur sind.

L’elisir d’amore
Foto ©Martin Sigmund

Aber die Aufführung einer Oper aus dem Belcanto-Repertoire basiert ist hauptsächlich auf Gesang, und in dieser Hinsicht hat die Darbietung der vier jungen Interpreten der Hauptrollen alle Eigenschaften der Charaktere wunderbar hervorgehoben. Claudia Muschio, 27-jährige Sängerin aus Brescia, die nach einem Jahr im Opernstudio, in das sie als erste Italienerin aufgenommen wurde, 2020 in das Ensemble der Staatsoper Stuttgart berufen wurde, hat eine wahrhaft bezaubernde Adina interpretiert für den lebendigen Witz der Phrasierung, die Schönheit der Stimme und die Gewissheit einer technischen Vorbereitung, die es ihr erlaubt, exquisite dynamische Raffinessen wie die doppelte messa di voce auf den hohen Tönen ihrer Arie zu entfalten. Die junge Sopranistin bestätigte in diesem Auftritt all ihre Qualitäten als Nachwuchskünstlerin in der Tradition der großen italienischen Gesangsschule, die wir schon bei ihren früheren Interpretationen in Stuttgart hören durften.

L’elisir d’amore
Foto ©Martin Sigmund

Sehr bemerkenswert, eine echte Überraschung war der Nemorino von Kai Kluge, einem deutschen Tenor, der eine sehr gut geprägte Stimme zeigte, mit einer attraktiven Farbe und homogen in allen Stimmlagen. Vielleicht hätte der ekstatische und verträumte Charakter, den die Figur in vielen Szenen zeigt, mehr Sorgfalt in den Nuancen erfordert, aber wenn man bedenkt, dass es sich um das Debüt in der Rolle handelt, kann die Leistung der jungen Sängerin durchaus als ehrenhaft bezeichnet werden. Hervorragend waren auch die Leistungen der beiden tiefen Stimmen. Björn Bürger, der 37-jährige Darmstädter Bariton, der sich in den letzten Jahren zu einem der komplettesten Künstler des Stuttgarter Ensembles entwickelt hat, hat den pompösen Charakter von Belcore perfekt umrissen, mit einer wohlschmeckenden Phrasierung und einer sehr raffinierten italienischen Aussprache. Giulio Mastrototaro, 42-jähriger Bassbariton aus Riva del Garda, hat die Rolle des Dulcamara mit Stil, richtiger Komödie und einem sehr kontrollierten Geschmack, absolut frei von eklatanten Übertreibungen, wiedergegeben. Sehr gut war auch die Leistung von Laia Vallés, einer sehr jungen Sängerin aus dem Opernstudio, in der Nebenrolle der Giannetta.

L’elisir d’amore
Foto ©Martin Sigmund

Sehr gelungen war auch der visuelle Teil der Veranstaltung, der der 35-jährigen Regisseurin Anita Ruftkovsky, geboren in Kasachstan und aufgewachsen in Baden-Württemberg, anvertraut wurde, die mit dieser Inszenierung ihr Operndebüt gab. Augenschmaus war sicherlich die von Uta Gruber-Ballehr konzipierte Bühne, die eine Umsetzung der ländlichen Komödie in einer Industriehalle vornahm. Das Spiel aller Darsteller war sehr gut kalibriert und in der szenischen Atmosphäre wurde der allgemeine Ton von großer Wesentlichkeit und Wirksamkeit in den Massenszenen bemerkenswert geschätzt. Insgesamt war es eine geordnete Inszenierung, mit eigener Logik und Stil, die den musikalischen Teil nie überwältigte. Das Publikum genoss dieses lebendige und humorvolle Theaterstück und spendete am Ende allen Darstellern lang anhaltenden und herzlichen Beifall.

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Pubblicato da

mozart2006

Teacher, freelance musical journalist and blogger

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