Staatsoper Stuttgart – Hänsel und Gretel

Hänsel und Gretel
Foto ©Matthias Baus

Nach der wegen Problemen des Regisseurs mit der russischen Regierung nie fertiggestellten Produktion von Kirill Serebrennikov präsentierte die Staatsoper Stuttgart eine Neuinszenierung von Hänsel und Gretel, dem berühmten Märchen der Gebrüder Grimm, adaptiert als Opernlibretto von Adelheid Wette, der Schwester von Engelbert Humperdinck, der mit dieser wunderbaren Partitur ein internationaler Erfolg gelang, der sie noch heute zu einem der meistaufgeführten Opern der Welt macht. Die Staatsoper Stuttgart hat den szenischen Teil dieser neuen Produktion Axel Ranisch anvertraut, dem jungen Theater- und Filmregisseur, der im Berliner underground Ambiente aufgewachsen ist und hier bereits mit der exquisiten Inszenierung von Die liebe zu drei Orangen große Erfolge erzielen konnte. Auch für diesen Produktion hat Reinisch eine lustige, farbenfrohe und hochelegante Darbietung konzipiert. Die unschuldige und verzauberte Atmosphäre des Märchens, das die Wechselfälle der beiden im Wald verlorenen Kinder erzählt, wurde durch diese szenische Lesung voller lustiger, farbenfroher und animierter Effekte perfekt wiedergegeben, die das mechanische und Puppenspiel der Geschichte perfekt hervorhoben. Eine lebhafte, sehr witzige szenische Darstellung und von der gesamten Besetzung perfekt aufgeführt.

In einigen Interviews erklärte Axel Ranisch, Ziel seiner Inszenierung sei es gewesen, eine Vorstellung zu präsentieren, die Familien Spaß mache. Unter diesem Gesichtspunkt können wir sagen, dass der Zweck voll erfüllt wurde, da das Publikum, unter dem sich viele Kinder befanden, diese moderne Neuinterpretation, die mit viel Sinn für Theater und szenische Geschichte umgesetzt wurde, genossen und sich darauf einlassen ließ. Die effektreichen Szenen von Saskia Wunsch verliehen der Inszenierung ebenso wie die Kostüme von Alfred Ayrhofer und die Lichter des Effektzauberers Reinhard Traub die richtige Lebendigkeit.

Hänsel und Gretel
Foto ©Matthias Baus

Der Erfindungsreichtum und der theatralische Rhythmus des szenischen Teils fanden eine perfekte Entsprechung in einem musikalischen Teil auf höchstem Niveau. Die Orchesterleitung von Alevtina Ioffa, einer jungen Moskauer Musikerin, die kürzlich zur musikalischen Leiterin des Mikhailowsky Theaters in St. Petersburg ernannt wurde, hob alle Details der Partitur perfekt hervor. Ein bemerkenswerte Dirigat für rhythmische Akribie und Kantabilität, Reichtum an instrumentalen Farben und die Fähigkeit, alle stilistischen Einflüsse zu unterstreichen, die Engelbert Humperdinck in diesem Werk von Wagners Orchestersatz entlehnt hat. Wir erinnern uns nämlich, dass der aus Siegburg stammende Komponist Wagners Assistent bei der Vorbereitung der Uraufführung des Parsifal in Bayreuth war. Das Staatsorchester Stuttgart hat alle Intentionen des Podiums ebenso wunderbar in die Tat umgesetzt wie der von Bernhard Moncado eingespielte Kinderchor, der sich durch Klangqualität und Anschlagspräzision auszeichnet. Die filigranen und transparenten Klänge, die gewissenhafte Arbeit an der Dynamik und der Atem der Phrasierung waren die hervorstechenden Merkmale einer an Sinn der Geschichte und theatralischer Aufladung reichen Interpretation, wunderschön gestaltet von einem Orchester in exzellenter Form.

Hänsel und Gretel
Foto ©Matthias Baus

Uneingeschränkt zu loben ist auch die Leistung einer Besetzung, in der alle Elemente die Darstellung ihrer Rolle perfekt wiedergegeben haben. Die zwei Kinderprotagonisten des Märchens wurden von der sächsischen Sopranistin Josefin Feiler (Gretel) und der jungen schwedischen Mezzosopranistin Ida Ränzlöv (Hänsel) verkörpert, beide lebhaft und witzig in ihrem Spiel und mit frischen Stimmen und einem sehr angenehmer Klangfarbe ausgestattet. Catriona Smith und Shigeo Ishino, zwei der führenden Elemente im Ensemble der Staatsoper, gaben ein sehr überzeugendes szenisches Porträt der beiden Eltern der Kinder. Rosie Aldridge, eine englische Sängerin, die sich auf Charakterrollen spezialisiert hat, hat ein szenisches und vokales Porträt der Hexe voller Komik und Groteske, aber ohne eklatante Übertreibung gezeichnet. Die blutjunge italienische Sopranistin Claudia Muschio bereicherte mit ihrer schönen Stimme die kurzen Einsätze von Sandmännchen und Taumännchen. Das Publikum bejubelte alle Teilnehmer der Produktionsbesetzung mit einer Herzlichkeit und Begeisterung, die die halbierte Besucherzahl aufgrund der geltenden Coronaregeln fast vergessen ließ.

Pubblicato da

mozart2006

Teacher, freelance musical journalist and blogger

Rispondi

Inserisci i tuoi dati qui sotto o clicca su un'icona per effettuare l'accesso:

Logo di WordPress.com

Stai commentando usando il tuo account WordPress.com. Chiudi sessione /  Modifica )

Foto Twitter

Stai commentando usando il tuo account Twitter. Chiudi sessione /  Modifica )

Foto di Facebook

Stai commentando usando il tuo account Facebook. Chiudi sessione /  Modifica )

Connessione a %s...

Questo sito utilizza Akismet per ridurre lo spam. Scopri come vengono elaborati i dati derivati dai commenti.