Staatsoper Stuttgart – Die Fledermaus

Die Fledermaus
Foto ©Martin Sigmund

Obwohl die Regierung ihr Bestes tut, um den Kultureinrichtungen das Leben schwer zu machen, führen die Opernhäuser ihr Programm weiter und das Publikum nimmt gerne an den Aufführungen teil. Zur Wiederaufnahme der Fledermaus an der Staatsoper Stuttgart haben die Zuschauer das Theater bis zur vollen erlaubten Kapazität gefüllt und verfolgten das Stück mit viel Spaß und herzlichem Lachen, auch um in diesen schwierigen Zeiten eine erholsame Pause zu finden. In diesem Sinne passte die funkelnde und lebendige Musik der Operette von Johann Strauss perfekt zur heutigen Situation. Die Produktion von Philipp Stölzl für die Staatsoper Stuttgart wurde im Oktober 2010 erstmals aufgeführt und erreicht mit dieser Wiederaufnahme fast 50 Aufführungen. Philipp Stölzl ist ein hoch angesehener Filmregisseur in Deutschland, auch bekannt für seine Arbeit im Bereich Videoclips für Madonna, Mick Jagger und andere Rockstars. Als Opernregisseur hat er sich mit seiner Inszenierung von Berlioz’ Benvenuto Cellini bei den Salzburger Festspielen 2007 erstmal einen Namen gemacht. Ich habe die Salzburger Produktion damals live gesehen und erinnere mich an eine respektlose, freche, lebendige, bunte, auf jeden Fall sehr witzige Inszenierung.

Die Fledermaus
Foto ©Martin Sigmund

In seiner szenischen Interpretation der Operette hat sich Stölzl dafür entschieden, die Dramaturgie als Metapher für sozioökonomische Veränderungen in der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts neu zu lesen. Szenisch hat der Regisseur dieses Konzept mit einer einzigen Szene umgesetzt, die einen nächtlichen Garten mit Blick auf ein bürgerliches Wohnzimmer zeigt, der in einen sich drehenden kubischen Baukörper eingefügt ist, um die Subversion gesellschaftlicher Hierarchien zu symbolisieren. Wirklich keine schlechte Idee, vor allem in den ersten beiden Akten, wo das lebhafte Schauspiel aller Darsteller und die Gestaltung der Party im Orlofskys Haus als eine Art verrücktes Disneyland Spaß machten und theatralisch genau richtig waren. Der dritte Akt schien weniger erfolgreich. Schon die day after Umgebung mit den zertrümmerten Szenen und einem insgesamt verblüfften Schauspiel war unattraktiv. Wirklich unerlöst war jedoch die Überfrachtung der Dialoge, die den Rhythmus der Handlung völlig verloren, und die völlige Verfälschung von Froschs Charakter verwandelte sich in eine Art Orlofsky Gegenstück, das den Sinn der ganzen Szene in eine pessimistische Bedeutung verwandelte, meiner Meinung nach absolut unangemessen.

Die Fledermaus
Foto ©Martin Sigmund

Für diese Wiederaufnahme wählte die künstlerische Leitung der Staatsoper eine Besetzung, die sowohl stimmlich als auch szenisch wirklich hervorragend zu sein schien. Cornelius Meister, der das Stück bereits an der Wiener Staatsoper und der Mailänder Scala dirigierte, hat seiner Interpretation eine lebendige, brillante und humorvolle Lesart zugrunde gelegt. Eine prächtige Sammlung funkelnder Klänge und stilistisch perfekter Orchesterphrasierung mit einem Orchester in wirklich toller Form. Zu den schönsten Dingen in der Interpretation des jungen Hannoveraner Dirigent gehört neben der orchestralen Virtuosität der Ouvertüre die elektrisierende theatralische Passage des Mittelblocks des ersten Aktes (das Trio Nein mit solchen Advokaten, gefolgt von das Duett Komm mit mir zum Souper und das Trio So muss allein) und die ganze Partyszene.

Die Fledermaus
Foto ©Martin Sigmund

Die Besetzung zeichnet sich sowohl durch ihre szenische Leichtigkeit als auch durch ihre stimmliche und musikalische Wirksamkeit aus. Eisenstein wurde gespielt von Matthias Klink, dem gebürtigen Fellbacher Tenor, der seit Jahren zu den beliebtesten Sängern des Stuttgarter Publikums zählt und auch diesmal seine Vielseitigkeit als Interpret, verbunden mit einer sehr effektvollen Bühnenpräsenz, darüber hinaus unter Beweis stellte als ausgezeichneter Geschmack in der Phrasierung. Die Sopranistin Astrid Kessler, festes Ensemblemitglied am Nationaltheater Mannheim, war eine stimmlich präzise und theatralisch sehr persönliche Rosalinde. Die junge schwedische Mezzosopranistin Ida Ränzlov hat den blasé und gelangweilten Ton der Orlofsky sehr gut wiedergegeben. Auch hervorragend war Franz Hawlata in der Rolle des Frank und sehr gut schien auch die österreichische Sopranistin Beate Ritter, die Adele mit großer Brisanz und Lebendigkeit spielte und vor allem die Couplets Mein Herr Marquis sehr gut und mit Pikanterie dargestellte. Björn Bürger, ein junger Bariton, der sich als eine der besten jungen Stimmen im Ensemble der Staatsoper etabliert, hat Dr. Falke mit großer Eleganz und einer witzigen und überzeugenden Phrasierung verkörpert. Torsten Hofmanns komische Charakterisierung von Dr. Blind war sehr treffend. Zuletzt musst noch der junge Tenor Kai Kluge erwähnt werden, der in der Partie des Alfred eine Stimme von schönem Timbre und Klangfülle sowie einen sehr bemerkenswerten Sinn für Komik hervorhob. Auch Heiko Pinkowski war im rezitierten Darbietung des Gefängniswärters Frosch sehr gut, trotz der falschen Rollendarstellung der Inszenierungsverantwortlichen, auch Cleo Röhlig als Ida überzeugte. Wie immer ausgezeichnet der Chor unter der Leitung von Manuel Pujol. Das Publikum freute sich über einen schönen Theaterabend mit einer lustigen Komödie und jubelte den Sängern und dem Dirigenten lange zu.

Pubblicato da

mozart2006

Teacher, freelance musical journalist and blogger

1 commento su “Staatsoper Stuttgart – Die Fledermaus”

  1. Anch’io ho cantato…..-IL PIPISTRELLO. Alfred al Carlo Felice di Genova direttore Ezra Rachlin e al San Carlo di Napoli direttore Gelmetti e alla RAI diretto da Peter Maag: Eisenstein….grande nostalgia di questo capolavoro!

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