Staatsoper Stuttgart – Der Rosenkavalier (konzertante Aufführung)

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Foto ©Martin Sigmund

Das Leben nach diesen letzten, sehr harten Monaten normalisiert sich langsam und auch die Staatsoper Stuttgart hat begonnen, was hoffentlich die Saison des Neubeginns sein sollte. Auf dem Spielplan 2021/22 stehen sieben Neuproduktionen und vierzehn Wiederaufnahmen, darunter neben der Oper von Paul Dessau Die Verurteilung des Lukullus nach einem Text von Bertolt Brecht besonderer merkwürdige sind die ersten beiden Tage des Rings des Nibelungen mit dem Dirigat von Cornelius Meister und darüber hinaus dem Debüt der Okka von der Damerau in den Rollen der Brühnhilde, und der Rusalka mit der Rückkehr an das Pult der Staatsoper von Oksana Lyniv, der ukrainischen Dirigentin, die im vergangenen Sommer mit ihrem triumphalen Debüt am Bayreuther Festspielhaus schließlich berühmt wurde.

Zu den Wiederaufnahmen zu Beginn der Spielzeit gehörte ursprünglich auch die des Rosenkavaliers in der Inszenierung von Stefan Herheim an der Staatsoper in der Spielzeit 2009/10, das seinerzeit von Publikum und Kritik so viel Anerkennung fand, dass es als Inszenierung des Jahres von der Zeitschrift Opernwelt ausgezeichnet wurde. Leider verhinderte die erzwungene Arbeitsunterbrechung durch den Lockdown die notwendigen Anpassungen der Bühnenkostüme, sodass sich das Theater für eine Aufführung in Konzertform entschied. Die Besetzung, die sich fast ausschließlich aus Mitglieder des Theaterensembles zusammensetzte, blieb die ursprünglich geplante.

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Foto ©Martin Sigmund

Auf dem Podium eines Staatsorchesters Stuttgart, das endlich ohne absurde Distanzen auf der Bühne zum Einsatz kam, zeigte das Dirigat von Cornelius Meister das ganze dramatische Potenzial eines Werkes, das verschiedenste psychologische Aspekte enthält. Die von Hugo von Hofmannsthal erdachte und von Richard Strauss so raffiniert vertonte Geschichte wird von einer komplexen Verflechtung von Gefühlen beseelt, die von der nostalgischen Melancholie der Vergangenheit bis hin zur Verwirrung einer Adelsschicht angesichts der Affirmation des neuen reichen Bürgers. Dem 41-jährigen Generalmusikdirektor des Staatsoper gelang es, die großartige Aufführung, die ich in Ariadne auf Naxos gehört habe, zu wiederholen, den richtigen Erzählrhythmus und die Verbindung von Nostalgie und Leidenschaft zu finden, die von Anfang an die Hauptfigur der Partitur ausmacht. Die von Cornelius Meister präsentierte war eine stimmige Interpretationskonzeption, von großer Persönlichkeit und äußerst genau in der präzisen Umsetzung der instrumentalen Details. Die süßen, transparenten und zarten Klänge des Finales des ersten Aktes, der Rosenüberreichung und des abschließenden Trios gehörten zu den erfolgreichsten Aspekten dieser Aufführung. Hervorzuheben ist aber auch die Brillanz eines eleganten, leichten Instrumentalklangs, nuancenreich in einer flexiblen rhythmischen Struktur, mit großer Raffinesse kalibriert.

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Foto ©Martin Sigmund

Was die Besetzung angeht, so präsentierte Simone Schneider ein Gesangsporträt der Marschallin, das viel ausgereifter und vollständiger war als das, was wir hier 2016 von ihnen gehört hatten. Die detailreiche Phrasierung und dynamische Nuancen, die akribische Aufmerksamkeit für die Bedeutung des Satzes umrissen eine perfekt hervorgehobene Darstellung. Eine Dame mit einem Charakter zwischen Leidenschaft und Melancholie, die es mit großer Großzügigkeit akzeptiert, von ihrem Liebhaber für eine jüngere Frau verlassen zu werden. Die Hagener Sopranistin bot dem Stuttgarter Publikum eine Reihe großartiger Interpretationen in den Werken von Richard Strauss, von denen sie heute zu den feinere und bewusstere Ausführende gilt, wie dieser Abend definitiv bestätigt hat. Bewundernswert war auch die Oktavian, die von Diana Haller skizziert wird, der jungen kroatischen Sängerin, die sich in den letzten Jahren als eine der führenden Stimmen der Staatsoper Stuttgart etabliert hat und kürzlich zur Kammersängerin ernannt wurde, als endgültige Bestätigung ihres Talents wirklich nicht alltäglich. Die Mezzosopranistin von Rijeka hat auch mit Cornelius Meister eine tiefe interpretatorische Harmonie noch einmal bewiesen, mit der es ihm immer gelingt, in einem wechselseitigen Vorschlag dynamischer Nuancen und Farben eine gemeinsame Art des Musizierens zu finden. Ein weiterer Beweis für das Talent dieser Sängerin, die sich als eine der interessantesten Stimmen der jungen Generation etabliert. Beate Ritter, die 37-jährige österreichische Sängerin, die seit zwei Spielzeiten die Hauptkoloratursopranistin des Ensembles der Staatsoper Stuttgart ist, hat mit ihrem silbrig leuchtenden Stimmtimbre Sophies aufrichtige Naivität sehr gut dargestellt. David Steffens, der 36-jähriger Bassist aus Oberbayern und ausgebildet am Mozarteum in Salzburg, präsentierte eine schöne Charakterisierung von Baron Ochs, skizziert als junger Mann von großer Vitalität und nicht wie der übliche alte Trottel. Die Stimme hat ein angenehmes Timbre, voll und recht homogen, und der junge bayerische Bass hat einen guten Erfindungsreichtum und eine eloquente Phrasierung mit einer guten Fähigkeit, die Bedeutung der Sätze hervorzuheben, und eine bereits definierte interpretatorische Persönlichkeit gezeigt. Einwandfrei waren auch die Leistungen aller Darsteller der Nebenrollen. Der Erfolg war wirklich begeistert, mit minutenlangem Applaus von einem Publikum, das glücklich war, sich endlich im Theater wiederzufinden, um eines seiner Lieblingswerke zu hören.

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mozart2006

Teacher, freelance musical journalist and blogger

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