Staatsoper Stuttgart – BORIS

Foto ©Matthias Baus

Für die dritte Neuproduktion der Spielzeit hat die Staatsoper Stuttgart ein ganz besonderes und theoretisch durchaus interessantes Projekt ins Leben gerufen. Es war die neue Inszenierung von Boris Godunov, Mussorgskys Meisterwerk in der Originalfassung von 1869 präsentiert, mit der Einfügung als Zwischenspiel der Dialogszenen, die aus dem Roman Secondhand Zeit: Leben aus den Trümmern des Sozialismus der belarussischen Schriftstellerin Swetlana Alexijewitsch, die international berühmt gewordenen ist nach der Verleihung des Literaturnobelpreises im Jahr 2015, von dem 47-jährigen russischen Komponisten Sergei Newski vertont worden waren. Die Bühne wurde Paul-Georg Dittrich anvertraut, einem 37-jährigen Brandeburger Theaterregisseur, der kürzlich in Darmstadt einen großen Skandal mit der Regie eines Fidelio, in dem die Musik des Finales neu komponiert worden war, ausgelöst hat. Die Idee, eine Reihe von Szenen, die das Unglück von Menschen erzählen, die die Katastrophen des realen Sozialismus überlebt haben, mit Mussorgskys Boris zu kombinieren, der ist zweifellos ein kollektives Drama, in dem die individuellen Tragödien der Figuren mit der miserablen Verhältnis eines von Unterdrückten verschmelzen ein tyrannisches und gleichgültiges Regime könnte ebenfalls stimulierend wirken. Leider die klare Zäsur, die in den plötzlichen Passagen zwischen den Musikstilen der beiden Partituren zu spüren war, hat, um die Tatsachen zu prüfen, insgesamt ein bemerkenswertes Gefühl der Belästigung hervorgerufen. Einfach gesagt, blieb am Ende des Abends das Gefühl einer Inszenierung, in der es keine einheitliche Bedeutung gab, mit sehr professionell geschaffenen, wenn auch dramaturgisch fragwürdigen, schönen Bühnensituationen, die letztendlich nicht zu einem authentischen Gesamtkunstwerk verschmolzen. Viel besser wäre es gewesen, die beiden unterschiedlichen Werke nacheinander aufzuführen: Es hätte sich auch das Urteil über die Musik von Sergei Newski verdient, die im Vergleich zu der außerordentlich innovativen Kühnheit von Musorgskys Stil eher eintönig und wenig inspirierend klang für den kontinuierlichen und beharrlichen Gebrauch von ein Sprechgesang, der meiner Meinung nach überhaupt nichts Wagemutiges und Innovatives hatte.

Foto ©Matthias Baus

Um den Charakter der kollektiven Tragödie, die den Sinn der Inszenierung ausmachte, weiter zu unterstreichen, wurde die Originalfassung von Boris Godunov gewählt, ohne den polnischen Akt und die letzte Szene, in der der Volksaufstand beschrieben wird. Persönlich habe ich lange vermutet, dass die heutige Tendenz, die erste Version von Musorgskys Meisterwerk zu bevorzugen, vor allem den Anforderungen des Finanzmanagements vorgezogen wurde: Die erste Fassung spart tatsächlich mindestens drei Hauptrollen und eine abschließende Chorszene, die wegen seiner musikalischen Komplexität viele Proben erfordert. Aus meiner Sicht habe ich noch einmal sehr viel vermisst das Fehlen der großartigen Musik, die Mussorgsky im Duett zwischen Marina und Dimitri schuf, sowie die grandiöse dramatische Darstellung, die der russische Komponist für die wilde Rebellion des Volk konzipierte, die in der Szene des Kromy – Waldes mit dem Gesang des Gottesnarr, welche die Oper in einer Atmosphäre der bitteren und verzweifelten Enttäuschung beendet. Wenig davon war in einer szenischen Darstellung zu bemerken, die ich sehr eintönig fand und darüber hinaus an der individuellen Charakterisierung der Figuren und an der Gesamtdarstellung mangelte. Sogar das Einfügen von Sergej Newskis musikalischen Dialogen schien mir nicht genug kohärent und logisch zu sein, als ob die beiden verschiedenen musikalischen Teile ohne einen definierten dramaturgischen Sinn getrennt voneinander liefen.

Foto ©Matthias Baus

Das Beste an dieser Veranstaltung war, wie so oft hierzulande passiert, nach einer musikalischen Darstellung zu suchen, der auf einem wirklich hervorragenden Niveau aufgeführt wurde. Boris Godunov ist eine Choroper, und der Staatsopernchor hat auf die Herausforderung mit der vollständigsten Aufführung der letzten Jahre wunderbar reagiert. In den riesigen Massenfresken, die einen der faszinierendsten Aspekte eines Meisterwerks darstellen, das für gewagtes Design und tragische Kraft zu den größten Errungenschaften des Musiktheaters aller Zeiten zählt, hat sich die von Manuel Pujol geleitete Ensemble als wahr und wahr etabliert absoluter Protagonist dieser Produktion. Der perfekte Zusammenhalt, die akribische Sorgfalt der Phrasierung, die großartige Präzision der Attacken und die absolute Homogenität der Klänge, die der Staatsopernchor in dieser Aufführung zeigte, haben erneut das Qualitätsniveau einer Chorgruppe bestätigt, die derzeit als eine der angesehenen gilt Die derzeit besten Vokalensembles, nicht nur in Bezug auf die Deutschen Theater, sondern auch auf europäischer Ebene. Die technisch sehr präzise von Titus Engel geleitete Darbietung des Staatsorchesters Stuttgart kann mit der gleichen Qualität bewertet werden. In einigen Punkten fehlten der Interpretation des 46-jährigen Schweizer Musiker die Inspiration und der Sinn für die szenische Geschichte, aber insgesamt zeigte das Dirigat in allen kompliziertesten Punkten eine gründliche Kenntnis der Partitur und ausreichende Sicherheit.

In diesem Werk, für das viele Nebenrollen erforderlich sind, konnte das Ensemble der Staatsoper alle Qualitäten seiner Elemente unter Beweis stellen. Hervorragend war die Leistung der Interpreten der Hauptrollen ab dem jungen polnischen Bass Adam Palka, dessen stimmliche und szenische Charakterisierung bereits in den Details und der Persönlichkeit einer prägnanten und nuancierten Phrasierung ausreichend berücksichtigt schien. Goran Juric war auch sehr gut darin, einen feierlichen und hieratischen Pimen, darüber hinaus sehr gut gesungen, zu darbieten. Die erfolgreichste Charakterisierung war jedoch mit Sicherheit, die von Matthias Klink, einem Tenor mit einer wirklich beeindruckenden Vielseitigkeit und in diesem Fall der Fähigkeit, die Heuchelei und die Duplizität von Prinz Schuiski mit großer dramatischer Kraft zu umreißen. Unter den Darstellern von Charakterrollen waren Friedemann Röhlings beeindruckendes Warlaam und Stime Marie Fischers stimmliche Wirksamkeit in der Rolle der Schenkwirtin und in der von Die Frau des Kollaborateurs in Newskis Oper erwähnenswert. Aber auch die übrigen Elementen der Besetzung haben einen guten Leistung insgesamt geboten, für Homogenität und stimmliche Vielseitigkeit. Am Ende applaudierte das Publikum laut und langzeitig allen, die an der musikalischen Darbietung teilgenommen haben. Das Regieteam hingegen wurde von vielen Buhrufe und Pfeifen begrüßt, als er in der Szene auftrat. Meiner Meinung nach, das war nicht ganz falsch.

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