Staatsoper Stuttgart – Le Nozze di Figaro

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Foto ©Martin Sigmund

Eine exzellente musikalische Darbietung wurde mit einer insgesamt schlechten Inszenierungsqualität kombiniert. Dies war das gesamte künstlerische Ergebnis der Neuproduktion von Le Nozze di Figaro an der Staatsoper Stuttgart. Nach der Pyjama-Party von Lotte de Beer in Don Carlo am Eröffnungsabend inszeniert wurde, präsentierte uns die Hamburgische Regisseurin Christiane Pohle eine szenische Version des Mozarts Meisterwerks, das in der Verkaufsabteilung der Schlafzimmer eines Ikea-Einkaufszentrums angesiedelt war. In wenigen Worten zusammengefasst, war dies das Konzept einer Inszenierung, die langweilig, plump in der szenischen Erzählung und manchmal sogar irritierend für die völlige Disharmonie zwischen den Bildern und dem musikalischen Teil wirkte. Wir haben mehr als drei Stunden verbracht damit, uns eine Reihe von Schlafzimmern anzusehen, die sich entlang der Bühne drehten, wobei die Sänger kontinuierlich von den Betten auf- und abstiegen. Dazu muss man den wahren Missbrauch gegen die Partitur hinzufügen, die in der ersten Szene des vierten Aktes aufgeführt wurde, wobei der Aria von Barbarina zweimal wiederholt und das Rezitativ in einen gesprochenen Dialog verwandelt wurde. Das Publikum der Staatsoper Stuttgart hat diese Sammlung von szenischem Unsinn mit bewundernswerter Geduld für die ganze Dauer der Aufführung toleriert. Am Ende wurden die Mitglieder des Regieteams jedoch von zahlreichen Pfeifen und Buhrufe begrüßt. Was war die wahre Bedeutung dieser Inszenierung und welche Beziehung hatte ein Flash-Mob in einem Ikea-Einkaufszentrum zu den Inhalten sozialer Konflikte und Emanzipation, die der von Beaumarchais geschaffenen und von Lorenzo da Ponte als Opernlibretto adaptierten Handlung zugrunde liegen? Es ist sehr schwer, das zu erklären, wenn nicht unmöglich.

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Foto ©Martin Sigmund

Trotz des echten Ärgergefühls durch die Regie verursacht, konnten in der Darstellung dank einer wirklich hervorragenden musikalischen Darbietung gleichermaßen unterschiedliche Interessengründe gefunden werden. Das Verdienst ist insbesondere einer hervorragenden Dirigat zuzuschreiben, die von Roland Kluttig einwandfrei und tadellos geleitet wird. Der einundfünfzigjährige Musiker aus Radeberg, der seit 2010 Generalmusikdirektor des Landestheaters Coburg ist, hatte bereits Salome, das von Kirill Serebrennikov szenisch konzipiert wurde, mit großem persönlichem Erfolg im november 2015 an der Staatsoper Stuttgart aufgeführt. Eine elegante, raffinierte Orchesterlesung mit viel Sinn für Stil und Spannung im Theater, die auf schnelle Tempi und sehr transparente Klänge setzt und von einem Staatsorchester Stuttgart in hervorragender Form geschaffen wurde. Der witzige und prickelnde Ton der Ouvertüre, die tadellose Unterstützung der Sänger und die sehr erfolgreiche Umsetzung der Ensemble-Stücke waren die besten Aspekte in einem Dirigat eines authentisch Mozart-Interpreten, der mit Persönlichkeit und Klasse ausgestattet war. Roland Kluttig, den ich seit mehreren Jahren kenne und schätze, ist ein Kapellmeister im besten Sinne dieses Wortes, der nicht nur auf formale Korrektheit abstellt, sondern auf den authentischen Mann des Theaters, der sich vor allem mit bescheiden und diskretem Dienen befasst die Musik und die Bühne. Die Musiker dieser Art sind zu bewundern und in ihrer Tätigkeit aufmerksam zu verfolgen.

Foto ©Martin Sigmund

Dank der Unterstützung eines so erfahrenen und kompetent Dirigent haben die jungen Sänger, die die Hauptrollen interpretierten, die idealen Bedingungen gefunden, um sich bestmöglich auszudrücken. Für diese neue Inszenierung hat die Staatsoper eine Besetzung zusammengestellt, die aus einigen der besten der jüngeren Ensemblemitglieder bestand und deren Aufführung in jeder Hinsicht sehr positiv war. Hervorragend wirkte Esther Dierkes in der Rolle von Susanna. Die 29-jährige Sopranistin aus Münster, die direkt aus dem Opernstudio in die Staatsoper eingetreten war, zeigte am Abend die besten Qualitäten einer Stimme mit einem schönen Silberton, homogen in allen Registern und aus Sicht von sehr gut geführt technische Meisterschaft. Aus interpretatorischer Sicht erschien die lebhafte, schelmische und reiche subtile Charakterisierung, die der junge Sänger entwarf, wirklich interessant und theatralisch erfolgreich. Wertvoll war auch die Gräfin, die von der südafrikanischen Sopranistin Sarah-Jane Brandon verkörpert wird, einer Sängerin mit einer klangvollen und weichen Stimme, die hat schöne Phrasentöne in einer trägen und sinnlichen Interpretation gefunden. Die Leistung von Diana Haller als Cherubino ist auch großartig gewesen. Die Rijeka-Sängerin hat ein stimmlich hervorragendes und theatralisch prägnantes Porträt eines Teenagers entworfen, das von den ersten Empfindungen sinnlicher Liebe, die sie mit Anmut und großem Sinn für Humor handelte, bewegt wurde. Die beiden vom Haller gesungenen Arien gehörten mit der raffinierten instrumentalen Unterstützung von Kluttig zu den besten Momenten dieser Aufführung. Lebhaft und witzig wurde Marcellina von Helene Scheiderman gespielt, einer der historischen Stimmen des Ensembles der Staatsoper.

Was die Darsteller männlicher Rollen betrifft, so war der Conte von Johannes Kammler, einem einunddreißig Augsburger Bariton, der von der Bayerischen Staatsoper stammte und drei Jahre lang Teil des Opernstudios und dann eine Saison lang des Ensembles war, vor dem im vergangenen Jahr an der Staatsoper Stuttgart eingestellt werden. Die Stimme ist farbisch interessant und technisch insgesamt gut ausgebildet, und der junge Sänger zeigte eine schöne Sensibilität der Phrasierung zusammen mit hervorragenden Eigenschaften der Bühnenpräsenz. Der Wiener Bass-Bariton Michael Nagl war ein gut interpretierter Figaro, obwohl die Stimme in den hohen Tönen leicht gebleicht klingt, wobei der Klang dazu neigt, Farbe und Projektion zu verlieren. Sehr gut waren auch die anderen Interpreten der Kleinrollen, angefangen vom sehr wirkungsvollen Bartolo von Friedemann Röhling bis hin zum Don Basilio, von dem Heinz Göhrig, langjähriger brillanter Interpreter der Charakterrollen hier an der Staatsoper, ein einschneidend und voller sarkastischer Humor Porträt skizziert hat. Erwähnenswert war auch die Barbarina der 24-jährigen italienischen Sopranistin Claudia Muschio, die aus Brescia stammt und vor einigen Monaten eine Schülerin des Opernstudios ist, die in ihrer Aria eine frische und sehr angenehme stimmliche Farbe zeigte. Lobenswert waren auch die rhythmische Flexibilität und die sehr genaue italienische Aussprache, die alle Sänger in den Rezitativen zeigten. Der Erfolg war für Roland Kluttig und alle Sänger der Besetzung voll und gut verdient, und zwar in einer Aufführung, die aus musikalischer Sicht in der Tat sehr wertvoll zu sein schien.

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