Staatsoper Stuttgart – Ariadne auf Naxos

Foto ©Martin Sigmund

Am 25. Oktober 1912 wurde in Stuttgart das neue Königliche Hoftheater eingeweiht, das das zehn Jahre zuvor durch einen Brand zerstörte Neue Lusthaus ersetzte. Das neue vom Architekten Max Littmann entworfene Gebäude umfasste zwei Theaterräume, das Große Haus und das Kleine Haus, in einer seinerzeit hochinnovativen Konzeption. Am Eröffnungsabend des Kleinen Hauses wurde Der Bürger als Edelmann, die berühmte Komödie von Jean-Baptiste Moliére in einer von Hugo von Hofmannstahl überarbeiteten neuen Fassung, aufgeführt. Unter den Bühnenmusikstücken befand sich auch eine neue Kammeroper, die Richard Strauss nach einem mythologischen Text von Hofmannstahl mit dem Titel Ariadne komponierte. Die Inszenierung übernahm Max Reinhardt, einer der größten Theaterregisseure aller Zeiten, der sich bei dieser Gelegenheit so für den neuen Saal begeisterte, dass er ihn als “das schönste Theater der Welt” bezeichnete. Die Uraufführung war eindeutig ein Misserfolg, was zum großen Teil auf die überlange Länge des Stücks zurückzuführen war. Vier Jahre später war das Werk in einer neuen Fassung mit dem Titel Ariadne auf Naxos wieder an der Hofoper Wien vertreten. Zusätzlich zum Prolog, der der Geschichte einen vollständigen theatralischen Sinn verleiht, griff Strauss ein, um verschiedene Punkte der Partitur zu überarbeiten, insbesondere die Rolle von Zerbinetta, die für einen erstklassigen Sopranistin wie Margarethe Siems konzipiert wurde. In der revidierten Fassung wurde die Rolle gekürzt und das berühmte Rondò “Großmächtige Prinzessin”, das im ursprünglichen Entwurf zweimal das hohe Fis erforderte, um einen Ton gesenkt und vereinfacht.

Foto ©Martin Signund

Die Staatsoper Stuttgart hat die Produktion wieder aufgenommen, die der Regie von Jossi Wieler und Sergio Morabito anvertraut wurde, um das 100-jährige Jubiläum von Theater und Oper zu feiern. Natürlich war es nicht möglich, das ursprüngliche Klima der Uraufführung wiederherzustellen, da das Kleine Haus heute nicht mehr existiert. Es wurde bei einem Bombenangriff 1944 zerstört und durch das neue Schauspielhaus ersetzt, das vom Architekten Hans Volkart entworfen und 1962 eingeweiht wurde. Die Bühnenbildnerin Anna Viebrock schuf für die Oper eine Kulisse, die an das Foyer der Logen des verlorenen Kleinen Hauses erinnert, inspiriert von alten Vintage-Fotos und Originalprojekten. Eine schöne Lösung, die den Hintergrund für eine elegant und ohne Exzesse geführte Regie darstellte, die sich in der Charakterisierung der Figuren sehr gut auflöste. Als Grundkonzept der 2013 erstmals präsentierten Inszenierung entschied sich das Regieteam, die zwei Teile der Oper umzukehren, wobei der Prolog als Abschluss diente. Ziel war es, den Teil, der ursprünglich der Einführung des sogenannten dramatischen Werks diente, als Vorwand für eine Reflexion über die wirtschaftlichen Probleme des heutigen Theaters zu nutzen. So verwandelt sich die Szene nach dem Ende der Opera Seria in die Kulisse eines Theaters, in dem eine Gruppe von Schauspielern ohne Arbeit ein altes Stück ihres Repertoires vorträgt, nämlich den Prolog, in dem sie ihre Situation reflektiert sehen worüber man spricht das Verhältnis zwischen künstlerischen und kommerziellen gründen. In den Programmheft betonen die beiden Autoren der Inszenierung, dass zwischen dem Prolog und der Oper eine klare Aporie besteht, um die Art der Intervention zu erläutern, die die Gründe von Musik und Dramaturgie neu beleuchtet. Die Verwendung des Prologs als Abschluss der Geschichte macht das ganze Stück interessant für die neue Bedeutung, die den dramaturgischen Gründen beigemessen wird. Darüber hinaus war die Inszenierung des Prologs gut geführt und voller interessanter Ideen, vor allem in der Charakterisierung des Haushofmeisters, die unter diesen Umständen von Harald Schmidt in wirklich hervorragender Weise vorgetragen wurden. Der berühmte Schauspieler, Kabarettist, Kolumnist, Entertainer, Schriftsteller und Moderator porträtierte den Charakter in der Haltung eines vage gelangweilten und despotischen Managers mit echten effektiven Ergebnissen .

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Was den musikalischen Teil anbelangt, so ließ Cornelius Meister uns eine Richtung mit hellen und kontrastreichen, lebendigen Farben hören, die von den sechsunddreißig Instrumentalisten des Staatsorchesters hervorragend wiedergegeben wurde, mit schönen Erweiterungen der Leidenschaft im letzten Duett der Oper und einem narrativen Rhythmus beweglich und voller Frische in den humorvollen Szenen, die sich nach den Wünschen des reichen Adligen, der die Arbeit in der szenischen Fiktion in Auftrag gegeben hat, ständig mit der Opera Seria vermischen. Der junge Generalmusikdirektor hat mit dieser Interpretation erneut sein musikalisches Begabung unter Beweis gestellt. Vor allem wird nach dem Anhören dieser Aufführung die große Fähigkeit von Meister als Operndirigent in Bezug auf Konzertation und Sinn für theatralische Erzählung immer deutlicher.

Die Leistung der Vokalbesetzung war ebenfalls auf hohem Niveau, vor allem Angesicht der Tatsache, dass fast alle beteiligten Darsteller dem Ensemble des Hauses angehören. Eine Besetzung, die sich hauptsächlich aus jungen und motivierten Sängern zusammensetzt, die die wunderbare Interpretation von Simone Schneider als Ariadne sehr effektiv unterstützt haben. Die gebürtige Hagener Sopranistin agiert mit einer Stimme, die vom pianissimo bis zum – stets wohl klingenden – fortissimo alle Register beherrscht und dadurch sie alle dynamischen Nuancen der Phrasierung betonen kann. Ihre Porträt von Ariadne war faszinierend für die intensive und träge attraktive Leidenschaft, damit sie den Gesang und das szenische Darstellung in allen Details hervorgehoben hat. Auf der gleichen Ebene der Interpretationshöhe befand sich die von Diana Haller skizzierte Komponistin. Die kroatische Mezzosopranistin präsentierte eine ihrer besten Aufführungen mit ihrem szenischen und musikalischen Porträt eines leidenschaftlichen und idealistisch impulsiven jungen Mannes. Absolut spannend war auch das gegenseitige musikalische Verständnis mit Cornelius Meister, das zu einen fulminanten Ausführung des letzten Monologs des Prologs kulminierte. In ihrer ersten Interpretation einer Strauss Hauptrolle hat Diana Haller bewiesen, dass sie diesen fast rezitativischen Stil, der für die Phrasierung dieser Art von Musik unabdingbar ist, perfekt beherrschen kann. Für die junge Sängerin, die sich durch ihren Interpretationen als eine der vielversprechendsten Stimmen der deutschen Opernwelt etabliert, diese war wieder eine qualitativ hochwertige Auftritt.

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Die Darstellung der anderen Hauptrollen war ebenso hervorragend. Die junge und talentierte österreichische Sopranistin Beate Ritter, eine der neuen Stimmen des Staatsoper Ensembles, hat eine Zerbinetta in szenischer und stimmlicher Hinsicht insgesamt überzeugend interpretiert. Im virtuosistischen Rondò, der den Höhepunkt der Rolle bildet, zeigte die Sängerin nach ein paar Noten, in denen die Stimme etwas erstickt zu klingen schien, eine gute Beherrschung der Koloratur und ein sicheres hohes Register. Ein standing ovation am Ende des schwierigen Stücks unterstrich ihre bravouröse Gesangsleistung. Die szenische Darstellung des kanadischen Tenors David Pomeroy war ebenfalls positiv und der Künstler sang Bacchus mit einer soliden Stimme und gutem Vertrauen in die Kontrolle der hohen Noten. Die Charakterisierung der vier italienischen Masken, die von David Steffens (Truffaldin), Heinz Göhrig (Scaramuccio), Mingjie Lei (Brighella) und Paweł Konik (Harlekin) perfekt verkörpert wurden, war auch szenisch und stimmlich köstlich. Homogen und sehr gut gesungen von Josefin Feiler (Najade), Ida Ränzlöv (Dryade) und Carina Schmieger (Echo) war in gleicher Weise auch das Trio der Ariadne begleitenden Nymphen. Intensiv und nuancenreich war ebenfalls der Auftritt von Michael Ebbecke, einer der historischen Stimmen der Staatsoper, als Musiklehrer. Das Publikum genoss diese exzellente Darbietung, die von einer bemerkenswerten Besetzung unter der Leitung eines talentierten Orchester Dirigent präsentiert wurde, und der Applaus am Ende war lang und kräftig für alle Beteiligten, mit zahlreiche Bravorufen. Diese Darstellung war ein schönes, sehr bedeutendes Beispiel für die Sorgfalt und Aufmerksamkeit, mit der die Staatsoper Stuttgart die Wiederaufnahmen vorbereitet.

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