Staatsoper Stuttgart – “Die Liebe zu drei Orangen”

Foto ©Matthias Baus

Die alte Märchen der drei Orangen, die Giambattista Basile erstmals in dem 1636 posthum veröffentlichten neapolitanischen Buch Lo cunto de li cunti overo Lo trattenemiento de ‘peccerille berichtete, welche von Benedetto Croce später als “das schönste italienische Barockbuch” bezeichnet wurde, wurde inszeniert von Carlo Gozzi in einer Komödie, die 1761 in Venedig aufgeführt wurde. Die ziemlich komplex Geschichte enthält mehrere Verweise auf die Themen der berühmten literarischen Kontroverse, die den venezianischen Schriftsteller Goldoni gegenüberstellte. Die Handlung basiert auf den fantastischen Abenteuern eines Prinzen, der von Fata Morgana verurteilt wurde unwiderstehlich zu wünschen drei unerreichbare Orangen, in der drei Prinzessinnen versteckt sind, die ebenfalls Opfer eines Zaubers waren. Inspiriert von Gozzis Theaterstück zeichnete Sergej Prokofjew die gleichnamige, 1919 komponierte Oper, die 1921 im Auditorium Theatre von Chicago uraufgeführt wurde. An der Staatsoper Stuttgart wurde 1995 die Partitur von Prokofjew mit der Regie von Nicolaus Brieger und dem Dirigat von Gabriele Ferro aufgeführt. Die neue künstlerische Leitung hat diesen Titel als dritte neue Produktion der laufenden Saison gewählt und den jungen Filmregisseur Axel Ranisch, der im Berliner Underground Ambient aufgewachsen ist, die Inszenierung anvertraut. Mit einer sehr klugen Entscheidung entschied sich Ranisch, diese Geschichte als Computerspiel der frühen Neunzigerjahre mit dem Titel Orange Desert III zu erzählen. Vor dem Hintergrund einer Bühne, die von der relativ einfachen und grob Grafik der ersten Videospiele inspiriert ist, werden die Figuren hinter den Kulissen von einem Kind namens Serjoscha mit Joystick Bewegungen manövriert. Die Idee, die Aspekte des Märchens durch die Sensibilität eines Kindes unserer Zeit neu zu erleben, war sicherlich originell und mit großer Wirkung in die Praxis umgesetzt worden. Die surrealistischen Aspekte, fast aus dem dadaistischen Theater der Handlung, wurden durch diese szenische Lesung mit witzigen, farbenfrohen und animierten Effekten, die das mechanische Spiel und das Marionettenspiel der Geschichte perfekt evidenzierten, bis zum Maximum hervorgehoben. Ein lebhaftes, lebendiges, sehr witziges Schauspiel, das perfekt rezitiert wird und das die expressionistischen Gesten des stummen Kinos mit den paradoxen Bewegungen der Masken, die in der Commedia dell ‘Arte wirken, verfeinert. In einigen Interviews hat Axel Ranisch gemeint, dass es das Ziel seiner Inszenierung sei, eine Show zu präsentieren, die für Familien ein Spaß sei. Aus dieser Sicht können wir sagen, dass das Ziel voll erreicht wurde, da das Publikum, unter dem sich viele Kinder befanden, wirklich Spaß hatte und von dieser moderne Interpretation, die mit großem Sinn für Theater und Szenerie in die Praxis umgesetzt wurde, mit einbezogen wurde.

Foto ©Matthias Baus

Der Erfindungsreichtum und der theatralische Rhythmus des Inszenierung passten perfekt zu einem musikalischen Aufführung auf höchstem Niveau. Der vierundvierzigjährige argentinische Dirigent Alejo Perez, der letztes Jahr hier in Stuttgart eine hervorragende Interpretation von Cherubinis Medea präsentierte, hob alle Details der Partitur perfekt hervor. Sein Dirigat war wirklich großartig für die akrybische und rhythmische Virtuosität, eine Fülle von Instrumentalfarben und die Fähigkeit, alle stilistischen Einflüsse hervorzuheben, die Prokofjew in dieser Partitur vom Jazz, von den Rhythmen des Volkstanzes und auch von bestimmten Atmosphären der letzten Musik von Puccini abgeleitet hat. Das Staatsorchester Stuttgart hat eine Virtuosität auf höchstem Niveau gezeigt, genauso wie das Chor, das für Klangqualität und Genauigkeit herrvorragend agiert hat. Die Leistung eines Besetzung, die in allen seinen Elementen vollkommen homogen war, ist ebenfalls uneingeschränkt zu würdigen. Der junge kroatische Bassist Goran Juric hat den Kreuz-König auf wunderbare Weise charakterisiert und alle Vorzüge einer hervorragenden Stimme für Quantität und Qualität gezeigt. Der isländische Tenor Elmar Gilbertsson war ein stimmlich sehr wirkungsvoller und witziger Schauspieler. Theatralisch unwiderstehlich war die stimmliche und schauspielerische Charakterisierung, die Stine Marie Fischer und Shigeo Ishino von Clarice und Leander, dem bösen Paar, das alle Täuschungen der Handlung organisiert, dargestellt haben. Daniel Kluge als Truffaldino präsentierte eine weitere seiner witzigen Charakterisierungen, die ihn zu einem der Sänger machten, die von den Zuschauern dieser Teile am meisten geliebt wurden. Genauso wirkungsvolle und voller Begeisterung waren die Verkörperungen von Carole Wilson als Fata Morgana, Michael Ebbecke als Zauberer Celio und Johannes Kammler als Pantalone. Der geburtiger Newyorker Tenor Matthew Anchel in der Doppelrolle von Farfarello und Köchin war sehr witzig und manchmal berauschend. Hervorragend war auch die szenische und stimmliche Interpretation der jungen kolumbianischen Mezzosopranistin Fiorella Hincapiè in Smeraldina, gemischt mit lebhaften und hellen Tönen phrasiert. Eine wahrhaft bezaubernde Esther Dierkes, eine wunderschöne Stimme mit einer lyrischen und vollen Ton in der Rolle der Prinzessin Ninetta sang. Das Publikum hat die Produktion mit einem authentischen Triumph und enthusiastischen Applausen für alle Mitglieder der Besetzung und für das Regieteam belohnt. Man kann mit Sicherheit sagen, dass Axel Ranischs Vorstellung von der Familien Theaterabend ein voller Erfolg war. Da die Inszenierung die Atmosphäre eines Videospiels wieder aufleben lässt, kann man gerne Game over als Schluss dieses Bericht schreiben.

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Un pensiero su “Staatsoper Stuttgart – “Die Liebe zu drei Orangen”

  1. Ho partecipato a due edizioni de L’Amour des trois Oranges al Festival di Glyndebourne: facevo TRUFFALDINO. Diretto da due grandi Chef: Bernard Haitink e Simon Rattle. Ricordi meravigliosi!! Forse la più bella… o per lo meno una delle più belle produzioni alla quale io abbia partecipato !…“Addio (del) BEL passato“

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